Unsichtbares Blau

Zu wenig Licht macht traurig und schlapp.

Licht regelt unsere innere Uhr. Ähnlich wie bei unseren Vorfahren, die in Höhlen lebten und ihren Tagesablauf an das Tageslicht anpassen mussten, bestimmt Licht auch heute noch unseren Tag-Nacht-Rhythmus: Blaues Licht – dem Tageslicht ähnlich – lässt uns wach und aktiv sein. Es fördert die Ausschüttung von Cortisol, einem Hormon, das uns fit und leistungsfähig macht. In hellem Tageslicht produziert der Körper auch Botenstoffe wie Serotonin. Die Neurotransmitter Serotonin ist verantwortlich für die Informationsübermittlung zwischen den Gehirnzellen.  Serotonin hellt unsere Stimmung auf, motiviert uns und steigert das Wohlbefinden am Tag. Gleichzeitig hemmt blaues Licht in unserem Körper die Bildung von Melatonin, das uns entspannen lässt, müde macht und für einen guten Nachtschlaf erforderlich ist. In hellem Tageslicht ist die Stresshormonkonzentration im Blut weit höher, als bei Nacht. Deshalb hat blaues Licht am Abend und vorm Schlafengehen einen negative Auswirkung auf unser Wohlbefinden und stört unser natürliches Schlafverhalten, insbesondere den zur Erholung wichtigen Tiefschlaf.

Das unsichtbare Blau

Hellweiß- oft aber auch warmweiss leuchtende LEDs haben einen sehr hohen – aber für uns nicht bewusst wahrnehmbaren – Blau-Anteil. Sie emittieren ein Licht mit erhöhtem Blauanteil, vergleichbar mit dem hellen Mittagslicht.
Das Lichtspektrum einer „normalen“, weißen LED-Lampe zeigt eine deutliche Blauspitze mit einem Lambda Peak um 450 nanometer. Blaues Licht im Bereich von 400 bis 500 nanometer hat in den Abendstunden starke Auswirkungen auf unseren Körper und unsere Psyche. (http://www.bluestop.info/licht-und-gesundheit/). Das Licht von Glühbirnen hingegen hat einen sehr geringen Blauanteil, da glühende Körper (wie ein Wendel) bei diesen Temperaturen kein Blau emittieren.

Warum haben weiße LEDs einen hohen Blauanteil?

Angetrieben durch EU-Bestimmungen zur Nachhaltigkeit, waren die Lampen-Hersteller in den letzten Jahren darauf fokussiert, die Glühbirne, durch effizientere Lichtquellen zu ersetzen. In den Jahren 2008 bis 2011 waren dies die vornehmlich Energiesparlampen (Kompaktleuchtstofflampen) da die LED-Technik noch nicht so weit war.

Seit 2012 zogen die effizienteren LED-Leuchten in unsere Haushalte ein. LED-Beleuchtungen finden sich neben der klassischen Wohnungs- und Arbeitsplatzbeleuchtung vor allem in den Bildschirmen unserer Fernseher, PCs, Tablets, Pads oder Smartphones, die wir am Abend gerne zur Entspannung nutzen…

Weißes LED-Licht wird nach dem Prinzip der Photolumineszenz in der Regel aus blauem LED-Licht erzeugt. Dabei wird oberhalb einer blauen LED eine dünne Phosphorschicht aufgetragen. Die Phosphorschicht wird vom kurzwelligen, energiereichen blauen Licht der LED zum Leuchten angeregt – dabei gibt sie energieärmeres, gelbes (weißes) Licht ab. Ein Teil des blauen Lichtes wird so in weißes Licht umgewandelt – zu verschiedenen Weißtönen (Warm-, Neutral,- oder Kaltweiß). Blaue LEDs werden hierfür eingesetzt, weil sie bei hoher Effizienz (Lumen pro Watt) besonders günstig herzustellen sind.

Die fotosensitive Ganglienzelle

Das menschliche Auge hat neben Stäbchen und Zapfen weitere lichtempfindliche Rezeptoren. Diese sind erst seit den 90er Jahren bekannt, aber mittlerweile gut erforscht. Es sind die fotosensitiven Ganglienzellen. Ihre Aufgabe besteht in erster Linie darin, die unterschiedlichen Lichtverhältnisse von Tag und Nacht wahrzunehmen. Dabei wird das Fotopigment dieser fotosensitiven Ganglienzellen, Melanopsin, am stärksten von Licht im blauen Bereich des sichtbaren Spektrums.

Bluestop Das Lichtspektrum einer LED
Das Lichtspektrum einer normalen LED – deutlich zu erkennen der hohe Blau-Anteil (Lambda Peak bei 450nm)
Das Lichtspektrum einer "normalen" Halogen-Lampe
Im Vergleich dazu das Lichtspektrum einer „normalen“ Halogen-Lampe ohne ausgeprägten Blau-Anteil.